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IHR WOLLT DOCH GAR NICHT LAUFEN

6 Uhr morgens: Der Wecker klingelt. Oh je, jetzt erstmal die Laufschuhe an und die 10 Kilometer laufen. Am besten so schnell wie möglich. Da ist es für mich kein Wunder, dass ihr euch aus dem Bett quälen müsst.

Ich finde es ja bewundernswert, wenn ihr die Disziplin habts, euch schon am Morgen in eure Laufklamotte zu schwingen und euer Training zu absolvieren. Aber ich frage mich schon, warum ihr das macht. Verstehts mich nicht falsch. Ich finde Laufen am Morgen super. Mir macht das eine Menge Spaß. Aber ich glaube, die meisten, die im Morgengrauen noch vor der Arbeit loslaufen, wollen gar nicht laufen. Die wenigsten wachen am Morgen auf und sagen: „Jetzt will ich nichts lieber tun, als 20 Kilometer laufen, bevor ich meinen Kaffee kriege.“

Die Frage ist nur: Wenn die wenigsten das wirklich wollen, warum tun sie es dann? Also mir fallen da schon ein paar Gründe ein.

Attraktiv und gesund sein, sich gut fühlen. Ausgleich zum stressigen Job. Abnehmen. Das absolute Glücksgefühl, wenn ihnen beim New York Marathon die Leute vom Straßenrand aus zujubeln, sie anfeuern und sie die Stimmung in sich aufsaugen können. Den Stolz, den lokalen Marathonlauf gewonnen zu haben.

Der Punkt ist aber: Wenn das eure Ziele sind, dann müssts ihr nicht gezwungenermaßen hart trainieren, eure Laufzeit stoppen und euch jedes Mal ärgern, wenn ihr mal einen kurzen Leistungseinbruch hattet. Na gut, wenn ihr einen Marathon gewinnen wollt, dann schon.

Aber bei den meisten der Ziele ist es egal, wie schnell ihr lauft oder sogar welchen Sport ihr macht. Hauptsache, ihr bewegt euch. Hauptsache, ihr bleibts dran. Und langsames Laufen ist für euer Wohlbefinden und für den Stressabbau sowieso besser als schnelles Rennen. Und wenn ihr 20 kg zu viel habts, dann ist es auch keine gute Idee, gleich 20 Kilometer auf Asphalt runterzureißen. Da ist die Verletzungsgefahr zu groß. Und selbst beim Marathon: Wenn ihr nur wegen der Atmosphäre mitmacht, dann ist es egal, ob ihr als Zweiter oder als 1364. im Ziel ankommts.

Was ich euch damit sagen will: Ihr solltets euch fragen, warum ihr laufen „wollt“. Oder natürlich auch, warum ihr euch ins Fitnessstudio quält, obwohl es euch keinen Spaß macht. Nur wenn ihr den wahren Grund dafür kennt, das innere Bedürfnis, das dahinter steckt, könnts ihr eurem Ziel entgegenlaufen. Und nur wenn euch der Weg dorthin Spaß macht, bleibts ihr langfristig dabei.
Darum sag ich auch: Ihr müssts nicht immer Vollgas geben. Permanent Vollgas ist nämlich nichts als Dauerstress. Und genau davon könnte euch der Sport eigentlich ablenken.

Und übrigens: Das heißt natürlich nicht, dass ihr nur noch langsam durch die Gegend schleichen sollts. Das macht euch nicht besser. Sich ab und zu ein bisschen herausfordern, den Körper in Gang bringen – das ist super. Der Körper ist wie ein Motor: Er läuft am besten, wenn ihr ihn in allen Tourenzahlen fahrt. Aber wenn ihr ihn immer nur im obersten Drehzahlbereich quält, gibt er früher oder später den Geist auf.

Also: Welchen Sport machts ihr? Und vor allen Dingen: Warum?

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